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| GESCHICHTE > Chronologie 1901-heute |
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1902
die Einwohnerzahl Brasiliens überschreitet die Dreißig-Millionen-Grenze.
1911-20
Der Anteil des Kautschuks am Gesamtexporterlös Brasiliens beträgt fast 30 %.
1914
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges bricht das Kautschuk-Monopol zusammen. Die Engländer hatten die Samen des Gummibaums ausser Landes geschmuggelt und in Ceylon und Malaysia Plantagen angelegt.
1917
Brasilien erklärt Deutschland nach Versenkung brasilianischer Schiffe den Krieg.
1919
Brasilien verstärkt seine Bemühungen, Einfuhren durch eigene Erzeugnisse zu ersetzen; ihren Höhepunkt erreicht diese Entwicklung nach der Weltwirtschaftskrise und im Zweiten Weltkrieg.
1921-30
Der Anteil des Kaffees am Gesamtexporterlös beträgt knapp 70 %
1920
Erste Bundesuniversität in Rio de Janeiro.
1922
Gründung der Kommunistischen Partei Brasiliens (Partido Comunista Brasileiro, PCB)
1928
Die Kaffeekrise schwächt die brasilianische Exportwirtschaft. 1929/1930 Verfall der Kaffeepreise.
1929
Zusammenbruch des Weltkaffeemarktes; zahlreiche Firmen machen Bankrott.
1930 - 1945
Die Alte Republik findet durch einen Staatsstreich Getúlio Vargas ein Ende, der die Präsidentschaft übernimmt. Vargas stärkt die Zentralregierung auf Kosten der lokalen Verwaltungen und lässt in Brasilien erste Gewerkschaften zu. Während seiner Regierungszeit verlieren sich die Trennlinien zwischen demokratischem und faschistischem Gedankengut zunehmend. 1945 wird Getúlio Vargas von den Militärs zum Rücktritt gezwungen, dessen Popularität beim Volk schon zuvor wegen seiner Sympathien für Mussolini und Hitler, geschwunden war.
1930
Drastische Einbrüche bei Ein- und Ausfuhren infolge der Weltwirtschaftskrise; Importe sollen gegen den Widerstand der Großgrundbesitzer auch weiterhin durch eigene Industrieprodukte ersetzt werden. Dazu ist der Aufbau der brasilianischen Grundstoffindustrie erforderlich.
Die Einwohnerzahl Brasiliens überschreitet die Vierzig-Millionen-Grenze.
1938
Getúlio Vargas etabliert mit dem Estado Novo die Diktatur (bis 1945).
1939-45
Zweiter Weltkrieg; Brasiliens Exportorientierung nimmt wieder zu.
1940
Gesetz über den Mindestlohn; Brasilien verfügt über ein staatlich gelenktes Gewerkschaftssystem nach italienisch-faschistischem Vorbild.
1942
Brasilien tritt auf Seiten der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Nach Torpedierung eines brasilianischen Schiffes durch die deutsche Seeflotte tritt ein Krieg gegen Deutschland und Italien ein. In Südbrasilien wird Deutsch im Schulunterricht verboten. Ein Hilfkorps wird auf den italienischen Kriegsschauplatz entsandt.
1945
Vargas muß bei den Präsidentschaftswahlen seinem Mitbewerber weichen.
1946
Unter dem vom Volk gewählten Präsidenten Enrico Gaspar Dutra tritt eine neue demokratische Verfassung am 16.09. in Kraft.
1950
Getúlio Vargas kehrt durch überwältigenden Wahlsieg an die Macht zurück, da der seit 1946 amtierende Präsident, Eurico Gaspar Dutra, die Probleme, die die rasche industrielle Entwicklung mit sich bringt, nicht zu lösen vermochte.
Einweihung des grössten Fussballstadions der Welt am 10.06. in Rio de Janeiro - das Maracanã. Dort erleidet Brasilien im Endspiel um die Fussball-Weltmeisterschaft gegen Uruguay mit 1-2 eine bittere Niederlage. Dieses Spiel sehen sage und schreibe 193.000 Zuschauer live im Maracana-Stadion.
1951
Erneute Wahl Vargas zum Präsidenten.
1952
Gründung der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB)
1953
Vargas setzt auf ökonomische und soziale Reformen, er öffnet das Land für Investoren und fördert die Ansiedlung der ausländischen Industrie - Gründung der Mercedes Benz do Brasil S.A. in São Paulo und VW. Die Inflation erhält erstmals einen gewaltigen Auftrieb.
1954
Nach einer beispiellos hitzigen und verleumderischen Hetzkampagne der konservativen Presse fordern die brasilianischen Streitkräfte Präsident Vargas ultimativ zum Rücktritt auf. Vargs wird am 24.08. im Regierungspalast tot aufgefunden, die meisten Quellen sprechen von Selbstmord.
1955-1961
Präsidentschaft Juscelino Kubitscheks
1956
Die kluge Politik von Präsident Juscelino Kubitschek und und seines Vizepräsidents João Goulart berücksichtigt die ausländischen Interessen in Brasilien, ohne das Ziel, die Rückständigkeit des Landes zu beenden, aus den Augen zu verlieren.
1958
Brasilien wird in Schweden erstmals Fussball-Weltmeister.
1960
Brasília wird als neue Hauptstadt eingeweiht, Rios Bedeutung nimmt spürbar ab. Durch die Kuba-Krise; wächst in Brasilien die Furcht vor einem linken Umsturz.
1961
Bei einem Autounfall kommt der visionäre Staatsmann Kubitschek ums Leben.
Präsidentschaft Jânio Quadros;
1961-1964
Präsidentschaft Joâo Goularts. Die Verteilungskämpfe zwischen Gewerkschaften und Unternehmen nehmen dramatische Formen an.
1962
Brasilien gewinnt in Chile erneut den Titel des Fussball-Weltmeisters
ZEIT DER MILITäRDIKTATUR
1964
Präsident João Goulart wird wegen seiner linksorientierten Politik und seinen freundschaftlichen Kontakten zur kubanischen Castro-Regierung von brasilianischen Militärs mit Unterstützung US-amerikanischer Flottenverbände gestürzt und geht ins Exil. General Humberto de Alencar Castelo Branco verwandelt Brasilien in eine Militärdiktatur. Die Junta nimmt astronomisch hohe Auslandsschulden in Kauf, um die sogenannten "pharaonische Grossprojekte", wie den Itaipu-Staudamm, die Transamazônica und die Eisenerzförderung in Carajás, im Herzen des Amazonasregenwalds, voranzutreiben. Reformversuche werden zurückgenommen. Zahlreiche Intellektuelle und namhafte Künstler gehen ebefalls ins Exil.
1964-1967
Präsidentschaft des Generals Humberto Castelo Branco
1964-1985
Brasilien lebt unter einer Militärdiktatur; die Wirtschaftspolitik fördert (staatliche) Großbetriebe und Großprojekte zur Erschließung natürlicher Ressourcen, die Brasilien von der Rohstoffeinfuhr unabhängiger machen sollen. Brasilien wird zum »Schwellenland« (Energieerzeugung, Luftfahrt, Rüstungsgüter, Mikroelektronik); gleichzeitig dirigistische Lohnpolitik und Ausschaltung der Gewerkschaften. Von den hohen Wachstumsraten profitieren nur Mittel- und Oberschicht. Ungleiche Einkommensverteilung, die galoppierende Inflation und die drastisch gestiegene Auslandsverschuldung führen zu einem Scheitern der Wirtschaftspolitik.
1966-67
die Parteien »Allianz der Nationalen Erneuerung« (Aliança Renovadora Nacional, ARENA) - als »Regierungspartei« - und »Brasilianische Demokratische Bewegung« (Movimento Democrático Brasileiro, MDB) - als »Opposition« - werden per Verordnung geschaffen.
1967-1969
Präsidentschaft des Generals Arthur da Costa e Silva.
1968
Ermächtigungsgesetz nach überwiegend studentischen Demonstrationen
1969
Brasilien wird von einem Militärtriumvirat regiert; rund 12.000 politische Gefangene.
1969-1974
Präsidentschaft des Generals Emílio Garrastazú Médici
1970
Brasilien wird als erste Nation in Mexiko zum 3. Mal Fussball-Weltmeister
1971
Gründung der Nationalen Indianerstiftung (FUNAI); im scharfen Gegensatz dazu steht der katholische Indianer-Missionsrat (CIMI).
1973
Die brasilianischen Bischöfe analysieren das Elend des Volkes. Ihr Dokument »Ich hörte den Schrei meines Volkes« wird sofort nach Veröffentlichung verboten.
1974
Die von den Militärs gesteuerte Regierungspartei ARENA büßt bei Wahlen ihre Zweidrittelmehrheit ein.
1974-1979
Präsidentschaft Ernesto Geisels; Erstarkung der Opposition aus Privatunternehmern, Arbeitern, Gewerkschaften, Intellektuellen und der katholischen Kirche.
1975
Nuklearabkommen zwischen Deutschland und Brasilien. Álcool-Programm als Alternative zum Benzin und teuren Erdölimporten.
1977
Erste "Nationale Versammlung" der brasilianischen Indianer.
1978
Illegale, vom Regime jedoch geduldete Streiks der Facharbeiter in den Industrieregionen;
Stimmenmehrheit für die Opposition im Parlament; nur durch eine veränderte Wahlgesetzgebung hält sich die ARENA-Mehrheit. Gründung der ersten unabhängigen Gewerkschaften.
1979
die Wiederzulassung oder Neugründung unabhängiger politischer Parteien sowie eine weitgehende Amnestie für politisch Verfolgte sind Ansätze einer vorsichtigen Liberalisierung; Auflösung von ARENA und MDB im Zuge des neuen Parteiengesetzes
1979-1985
Präsidentschaft Joâo Batista Figueiredos; Fortsetzung Geisels Politik der vorsichtigen politischen Öffnung.
1980
Ein Streik von 250.000 Metallarbeitern legt die brasilianische Automobilindustrie lahm; Hauptforderungen: Reallohnerhöhungen, Abschaffung der 48-Stunden-Woche, freie gewerkschaftliche Betätigung, einjährige Arbeitsplatzgarantie.
Bei seinem Brasilienbesuch bestätigt der Papst die pastorale Linie der CNBB mit ihrer »Option für die Armen«.
1982
Unter zunehmendem internationalem Druck verabschiedet Präsident João Baptista Figueiredo ein liberales Wahlgesetz und lockert die Pressezensur. Das politische Spektrum umfaßt über zwanzig Parteien; die Opposition stellt bei Wahlen 10 der 22 direkt gewählten Gouverneure. Die in PDS umbenannte Regierungspartei verliert ihre absolute Mehrheit im Parlament.
1983
eine Fastenkampagne der katholischen Kirche unter dem Motto »Brüderlichkeit ja, Gewalt nein« gibt wichtige Impulse im Kampf gegen strukturelle Gewalt und Behördenwillkür. Gründung nationaler Gewerkschaftsdachverbände.
1984
Millionen Brasilianer fordern vergeblich die Direktwahl des Präsidenten.
RüCKKEHR ZUR DEMOKRATIE
15.01.1985
bei den Präsidentschaftswahlen siegt der oppositionelle Tancredo Neves mit überwältigender Mehrheit; Erste zivile, demokratisch gewählte Regierung seit dem Putsch der Militärs.
1985
Die Militärdiktatur ist überwunden, in Brasilien herrscht Aufbruchstimmung. Doch der von einem Wahlmännergremium zum Präsidenten bestimmte und bei der Bevölkerung ausgesprochen beliebte Tancredo Neves kann sein Amt nicht ausüben; er stirbt noch vor seiner Amtsübernahme. Vizepräsident José Sarney übernimmt die Regierungsgeschäfte (bis 1990), Vetternwirtschaft und Korruption in unvorstellbarem Ausmass begleiten seine Amtszeit. Großgrundbesitzer sabotieren Pläne zur Agrarreform mit Hilfe bewaffneter Milizen; auf der anderen Seite organisieren sich mit kirchlicher Unterstützung die Landlosen.
1986
Der Cruzado ist neue brasilianische Währung;
In einem Brief an die brasilianische Bischofskonferenz bezeichnet der Papst die »Theologie der Befreiung« als »nützlich und notwendig«.
15.11.1986
Gouverneurs- und Parlamentswahlen ergeben eine absolute Mehrheit für die ehemalige Oppositionspartei PMDB.
1987
Einberufung des Parlaments als verfassungsgebende Versammlung.
Präsident Sarney verkündet einen neunzigtägigen Stopp für Zinszahlungen für Auslandsschulden.
13.5.1988
Das »weiße« Brasilien feiert 100 Jahre Abschaffung der Sklaverei, während die Verbände der Schwarzen, linke Parteien und Teile der Kirche auf die Randexistenz der schwarzen Bevölkerung verweisen.
5.10.1988
Verabschiedung einer neuen Verfassung, der fünften in diesem Jahrhundert. Eine Lösung des drängenden Agrarproblems ist weiterhin nicht absehbar.
15.11.1988
Schwere Verluste für die Regierungspartei PMDB bei Kommunalwahlen; als Gewinnerin geht die Partei der Arbeiter (PT) aus dem Rennen.
22.12.88
Der international bekannte Chef der brasilianischen Kautschukzapfer, Chico Mendes, wird im Bundesstaat Acre Opfer eines Mordanschlags.
1989
Wirtschaftlicher Kooperationsvertrag mit Argentinien, verschärfte Wirtschaftskrise und Hundertjahrfeier der Ausrufung der Republik
Jan. 1989
Der Cruzado wird vom Novo Cruzado als offizielle Währung abgelöst.
7.9.1989
die Bewegung der Landlosen (Movimento Sem Terra/MST) feiert ihr zehnjähriges Bestehen.
14.9.1989
350 Indianer aus Amazonien, die 76 Völker repräsentieren, fordern in Brasília die Ausweisung der Garimpeiros aus dem Territorium der knapp 10.000 Yanomami. Pläne für einen die Siedlungsgebiete der Yanomami und Yekuna umfassenden »Indianerpark«.
15.11.1989
die ersten direkten Präsidentschaftswahlen gewinnt nach einer Stichwahl gegen den Führer der Arbeiterpartei (PT), Luis Ignácio da Silva, genannt »Lula«, der Liberale Fernando Collor de Mello.
Dez. 1989
Per Dekret ordnet der Vatikan die Schließung zweier theologischer Seminare an, die sich im Sinne der »Theologie der Befreiung« hervorgetan hatten.
DIE NEUNZIGER JAHRE
15.3.1990
Amtsantritt Collors, der ein ehrgeiziges wirtschaftliches Reformprogramm in Angriff nimmt (Inflations-bekämpfung, Einfrieren von Bankguthaben, Verwaltungsreform, Zusammenarbeit mit dem IWF, Steuer- und Haushaltsreform, Privatisierung von Staatsunternehmen, Investitionsförderung, Liberalisierung der Außenwirtschaft usw.). Bald zeichnet sich allerdings ein Scheitern der Maßnahmen ab.
18.9.1990
In Sâo Paulo (Stadtteil Purus) werden in einem Massengrab 1.500 Leichname aus der Zeit der Folterungen 1970-74 entdeckt.
1991
Die südamerikanische Choleraepedemie greift vom Amazonasbecken her auf Brasilien über und bedroht zunächst die 25.000 Indios vom Stamm der Tikunas am Solimoes, begünstigt durch ein Fehlen minimaler hygienischer Vorkehrungen.
Februar 1991
Die Geldentwertung steigt trotz rigider Stabilisierungspolitik auf 23 %; seit Collors Amtsantritt ging die Industriebeschäftigung um 14 % zurück.
4.4.1991
Milliardenbetrug in der staatlichen Sozialversicherung
12.10.1991
Erneute Brasilienreise des Papstes
18.1.1992
Mißwirtschaft und Korruption führen zur Entlassung zweier Minister
20.3.1992
Der Staatssekretär für Umweltfragen, José Lutzenberger, wird nach einer kritischen Stellungnahme zum Verhältnis zwischen Ibama und Holzunternehmen entlassen.
Juni 1992
Umweltkonferenz der UNO in Rio de Janeiro (II. Weltkonferenz für Umweltschutz und Entwicklung / ECO 92).
14.7.1992
Brasilien hält am Weiterbau seines Atomkraftwerks mit deutscher Hilfe fest.
1992
Fernando Collor de Mello tritt nach wochenlangen Massenprotesten in der Bevölkerung und nach einem Amtsenthebungsverfahren wegen Bestechlichkeit von seinem Amt zurück. Seine Nachfolge tritt am 29.12. Interimspräsident Itamar Augusto Franco an, ein Vertreter des überkommenen brasilianischen Nationalismus', der die Bekämpfung von Inflation und Arbeitslosigkeit in den Mittelpunkt seiner Politik stellt.
Gleichzeitige Inflation und Stagnation (Stagflation), zunehmende Arbeitslosigkeit und Verarmung weiter Teile der Bevölkerung kennzeichnen die wirtschaftliche Lage Brasiliens.
Beendigung der Schuldenkrise nach Umschuldungsvereinbarungen mit den betroffenen ausländischen Gläubigerbanken.
22.12.1992
Urteilsverkündung im Amtsenthebungsverfahren gegen Collor: dem ehemaligen Präsidenten werden für acht Jahre alle politischen Rechte entzogen.
1993
Die ungebrochene Rezession führt zu einer Auswandererwelle nach Europa, Japan und in die USA. Brasilien ist einer Spirale von Armut und Gewalt gefangen.
Interimspräsident Franco macht zum ersten Mal mit der jahrzehntelang diskutierten Landreform ernst: Enteigung von achtzehn landwirtschaftlichen Großgütern (Latifundien), die an über zweitausend landlose Familien verteilt werden sollen.
21.4.1993
Bei einer Volksabstimmung über Staatsform und Regierungssystem entscheidet sich die Mehrheit für das Präsidialsystem.
Juli 1993
Der Mord an Straßenkindern vor der Candelária-Kirche in Rio rüttelt die brasilianische Öffentlichkeit auf;
die brasilianische Regierung duldet weiterhin den illegalen Einschlag von Edelhölzern in Indianergebieten.
Aug. 1993
Einführung des Cruzeiro Real (CR$) durch Streichung von drei Nullen beim bisherigen Cruzeiro;
das Massaker an siebzig Yanomami-Indianern erregt die Weltöffentlichkeit.
Okt. 1993
Debatte über eine Verfassungsreform; Rücktritte und Anklageerhebung gegen Politiker und Beamte infolge von Korruptionsskandalen.
1994
Brasilien bindet Löhne und Preise an einen neuen Preisindex (»Reale Werteinheit«/URV). Damit soll die Geldentwertung von monatlich (!) 40 % bekämpft und die Volkswirtschaft stabilisiert werden.
Erleichterung des Exports brasilianischer Waren in die USA. Der staatliche brasilianische Erdöl-Monopolist PETROBRAS entdeckt ein Erdölfeld in der Bucht von Campos.
Indianer sperren im Bundesstaat Roraima Straßen, um Garimpeiros an einem Eindringen in ihre Rückzugsgebiete zu hindern. Polizeieskorten machen den Fahrzeugen der Garimpeiros den Weg frei.
Der progressive Flügel der katholischen Kirche Brasiliens um Kardinal Arms von der Erzdiözese Sâo Paulo erlebt durch Ernennung konservativer Bischöfe eine weitere Schwächung.
In den Armutsvierteln der südostbrasilianischen Millionenstädte breitet sich die Cholera in beängstigendem Tempo aus.
Ayrton Senna (dreimaliger Formel-1-Weltmeister), verunglückt am 01.05., tödlich. Die brasiliansche Fußballnationalmannschaft holt sich nach Elfmeterschießen den Weltmeistertitel im Endspiel gegen Italien und widmet diesen Titel dem gerade verunglückten Senna.
Der Cruzerio Real wird durch eine neue Landeswährung, den Real (R$), ersetzt. Dessen Kurs ist an den US-Dollar gekoppelt.
3.10. 1994
Fernando Henrique Cardoso wird im ersten Wahlgang mit 46 % zum neuen brasilianischen Präsidenten gewählt; »Lula« da Silva erreicht nur 23 %. Der frühere Finanzminister hatte es geschafft, die neue brasilianische Währung "Real" stabil zu halten.
1995
die brasilianische Regierung forciert die Privatisierung von Staatsbetrieben, ohne ein Anwachsen des Schuldenberges verhindern zu können. Der neoliberale Wirtschaftskurs verstärkt zudem das Problem der Arbeitslosigkeit.
9.8.1995
Massaker an dreizehn Landarbeitern in Corumbiara
Okt. 1995
Brasilien ist Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse
9.1.1996
Dekret Cardosos, wonach »Interessierte« gegen offizielle Markierungen von Indianerreservaten Einspruch erheben bzw. Entschädigung verlangen können; zu befürchten steht, daß die bisherigen 200 Reservate für rund 300.000 Ureinwohner den Interessen der Holz- und Bergbauindustrie geopfert werden könnten.
17.4.1996
25 Landarbeiter/-innen werden in Eldorado de Carajás von der Militärpolizei ermordet.
30.4.1996
Verurteilung eines Polizisten wegen Beteiligung an der Ermordung von Straßenkindern zur Höchststrafe von 30 Jahren Gefängnis; Cardoso kündigt an, die Straffreiheit von Todesschwadronen nicht länger dulden zu wollen.
Juli 1996
Dekrete zum Schutz des Regenwaldes: Rodungen zur Gewinnung von Ackerland sollen begrenzt, die Überwachung per Satellit eingeführt werden.
17.9.1996
Bundeskanzler Kohl besucht in Begleitung deutscher Unternehmer Brasília, wo er u.a. mit dem brasilianischen Präsidenten zusammentrifft und drei Abkommen zur Förderung von Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Brasilien unterzeichnet.
Okt./Nov. 1996
die Kommunalwahlen bringen trotz Stimmenzuwächsen für die Oppositionsparteien wie der Arbeiterpartei PT letztlich eine Unterstützung der Regierungsparteien. So eroberte die Sozialdemokratische Partei des brasilianischen Präsidenten im ganzen Land 910 Bürgermeisterämter und steigerte sich somit um fast 80 % gegenüber den letzten Wahlen. In den großen Städten wie Sâo Paulo und Rio de Janeiro setzten sich jeweils konservative Kandidaten durch.
16.10.1996
Ankündigung eines neuen Programms gegen Arbeitslosigkeit einer neuen Bildungspolitik für Arbeitnehmer, die verstärkt zu Facharbeitern ausgebildet werden sollen.
1997
Die Stabilität der Währung sorgt für eine langsame wirtschaftliche Gesundung Brasiliens. Die am Dollar orientierte Währung hat aber auch ihren Preis: Zahlreiche Betriebe müssen schliessen, die Arbeitslosigkeit nimmt dramatisch zu, und die Preise fast aller Waren des Binnenmarkts ziehen spürbar an.
1998
Privatisierung der staatlichen Telefongesellschaft Telebras. Wiederwahl des bereits amtierenden Präsidenten Fernando Henrique Cardoso.
1999
Präsident Cardoso trifft Bundeskanzler Gerhard Schröder im April 1999 in Bonn. In seiner Eigenschaft als EU-Ratspräsident hatte Bundeskanzler Schröder gemeinsam mit Staatspräsident Cardoso den Vorsitz des Gipfels der Staats- und Regierungschefs Europas, Lateinamerikas und der Karibik in Rio de Janeiro inne (28.06.1999).
Währungskrise in Brasilien nach der Ankündigung des Ex-Präsidenten und Gouverneurs von Minas Gerais Itamar Franco -, Schuldenzahlungen des Bundesstaates an Brasilia für 90 Tage "einzufrieren".
2000
Staatspräsident Cardoso besucht Deutschland gleich zweimal: zu den deutsch-brasilianischen Unternehmertagen in Potsdam (März 2000) und anlässlich der Konferenz zum Thema "Modernes Regieren im 21. Jahrhundert" (Juni 2000), zu der Bundeskanzler Schröder nach Berlin eingeladen hatte.
2002
Im Februar besucht der deutsche Budeskanzler Schröder Brasilien.
Brasilien holt in Yokohama (Japan) zum 5. Mal die Fußball-Weltmeisterschaft (Penta-Campeão) durch einen 2:0-Sieg über Deutschland.
Der Führer der Arbeiterpartei (PT) Luis Inácio Lula da Silva wird am 27.10.2002 im zweiten Wahlgang zum brasilianischen Staatspräsidenten gewählt. Er erhielt 61,27 Prozent der abgegebenen Stimmen.
2003
Luiz Inácio Lula da Silva (geboren 1945), Führer der Arbeiterpartei (PT), geht aus der Präsidentenwahl als klarer Sieger hervor. Er übernimmt im Januar das Amt von Vorgänger Fernando Henrique Cardoso, der nicht mehr wiedergewählt werden kann.
Eines seiner ersten Projekte ist der Kampf gegen den Hunger (Forme Zero). Außenpolitisch sorgt Lula, mit seinem massiven Eintreten gegen soziale Missstände auf dem Weltwirtschafts-gipfel in Davos für Schlagzeilen, behält aber den wirtschaftspolitischen Kurs seines Vorgängers bei.
2004
Erstmals in seiner Geschichte beteiligt sich Brasilien an einer UN-Mission. Mehr als 1.000 Soldaten sichern den Frieden auf der Karibik-Insel Haiti. Im Juli 2004 übernimmt Brasilien die Führung der Mission.
Legendär ist der Auftritt der brasilianischen Seleção in Haiti, die dort zu einem Benefizspiel antritt.
2005
Brasilien wird von einer Reihe von Korruptionsskandalen (Mensalão) erschüttert, die bis in die Regierung reichen. Einigen Politikern wird anschließend das Mandat aberkannt.
2006
Am 29. Oktober wird Lula da Silva im zweiten Wahlgang gegen seinen Herausforderer Geraldo Alckmin mit 60,38 Prozent der Stimmen als Präsident Brasiliens wiedergewählt.
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